Es gibt sie noch, die kreativen Uhrmacher, deren Produkte nicht am Arm getragen werden, sondern in ihrer ganzen Pracht einen Ehrenplatz im Salon oder zumindest auf einem besonders schönen Möbelstück beanspruchen. Matthias Naeschke ist so einer, der sich auf Spezialitäten konzentriert und Pretiosen schafft, die es in der Form oft nur bei ihm gibt, etwa Flötenuhren. In seiner Manufaktur in Haigerloch entstehen Standuhren, Wand- und Tischuhren, bei denen man ganz von selbst drauf kommt, dass das Dinge für die Ewigkeit oder zumindest für die nächste Generation sind - wenn sie der denn gefallen.
L'amour heißt seine neue Tischuhr, ein Regulator in barockem Stil, technisch und in der Ausführung modernster Feinmechanik ganz auf der Höhe der Zeit. Aber L'amour ist nicht nur eine Tischuhr, sondern ein Kunstwerk. Das steht passenderweise auf einem Granitsockel, und das lässt schon ahnen, dass L'amour keine leichtgewichtige Sache ist: 47 Kilogramm sollte der Uhrenliebhaber freihändig stemmen können, wenn er sie bewegen will. Dabei ist sie mit Maßen von 61 Zentimeter Höhe, 42 Breite und und 31 Tiefe durchaus zierlich. Aber sie besteht aus vergoldetem Messing und ruht auf vier massiven, versilberten Säulen in einer Vitrine mit facettierten Gläsern, so dass man der Zeit beim Vergehen zuschauen kann. Die Farbe des Granits wiederholt sich in den zierlichen Stahlzeigern, die römischen Ziffern auf dem 19,5 Zentimeter im Durchmesser großen silbernen Zifferblatt sind von Hand graviert.
Das Uhrwerk (Drops-Gang mit Rubinpaletten) hat Meister Naeschke selbst konzipiert, es zeigt ein Fünf-Stab-Kompensationspendel und hat einen seltenen Antrieb aus Federhaus und Schnecke. Er hält L'amour hundert Tage am Laufen. 48 000 Euro muss man für das Kunstwerk anlegen, aber dafür wird L'amour die Zeitläufte überdauern.
MONIKA SCHRAMM
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung / Sonntagszeitung vom 11.12.2007, Seite T2














